Infrarotheizung Wien: Stromverbrauch, Kosten & wann sie sich wirklich lohnt
Bevor die Heizsaison startet, stellt sich in vielen Wiener Wohnungen die gleiche Frage: Gasheizung raus – aber was kommt rein? Die Infrarotheizung wird dabei als günstige, unkomplizierte Elektroheizung beworben. Manchmal stimmt das. Oft nicht. Hier ist die ehrliche Einordnung aus der Elektriker-Praxis: wann eine Infrarotheizung sinnvoll ist, was sie an Strom kostet – und wo Sie besser die Finger davon lassen.
Wie funktioniert eine Infrarotheizung?
Eine Infrarotheizung erwärmt nicht die Luft, sondern über Strahlungswärme direkt die Flächen und Körper im Raum – Wände, Möbel, Menschen. Das Prinzip kennt jeder von der Sonne oder einem Kachelofen: Man spürt die Wärme, obwohl die Luft dazwischen kühl bleibt. Das fühlt sich schon bei niedrigerer Lufttemperatur behaglich an und vermeidet die aufgewirbelte, trockene Luft klassischer Konvektionsheizungen.
Technisch ist es simpel: eine flache Platte (oft als Bild, Spiegel oder Glaspaneel getarnt), die über einen normalen 230-V-Stromkreis läuft. 100 % des Stroms werden zu Wärme – deshalb liest man oft "100 % Wirkungsgrad". Das klingt gut, ist aber genau der Haken, den wir gleich beim Stromverbrauch auflösen.
Stromverbrauch: Was kostet eine Infrarotheizung im Betrieb?
Das ist die entscheidende Frage – und die, bei der die meisten Werbeversprechen auseinanderfallen. Eine Infrarotheizung wandelt Strom 1:1 in Wärme um. Für 1 kWh Wärme brauchen Sie also 1 kWh Strom. Bei einem Wiener Haushaltstarif von rund 25 Cent/kWh (Stand 2026, je nach Anbieter) kostet jede Kilowattstunde Wärme also etwa 25 Cent.
Zum Vergleich: Eine Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom rund 3–4 kWh Wärme (Jahresarbeitszahl 3–4). Ihre Wärme kostet damit nur ein Drittel bis Viertel. Genau daran entscheidet sich, ob eine Infrarotheizung eine gute oder eine teure Idee ist.
| Heizsystem | Wärmebedarf/Jahr | Strom-/Energiekosten | Ca. Jahreskosten |
|---|---|---|---|
| Infrarotheizung (Hauptheizung) | ~ 6.000 kWh | ~ 25 ct/kWh Strom | ca. 1.500 € |
| Wärmepumpe (JAZ 3,5) | ~ 6.000 kWh | ~ 25 ct/kWh Strom | ca. 430 € |
| Gasheizung | ~ 6.000 kWh | ~ 11 ct/kWh Gas | ca. 660 € + CO₂-Preis |
Die Zahlen sind Richtwerte – sie hängen massiv vom Dämmzustand ab. Genau das ist der Punkt: In einem schlecht gedämmten Wiener Altbau kann der Wärmebedarf doppelt so hoch liegen, und dann wird die Infrarotheizung als Hauptheizung schnell zur teuersten Variante überhaupt. In einer top-gedämmten kleinen Fläche ist der Bedarf so niedrig, dass die niedrigen Anschaffungskosten den höheren Strompreis wieder ausgleichen.
Wann sich eine Infrarotheizung lohnt – und wann nicht
Kurz gesagt: Es kommt auf Dämmung, Fläche und Nutzung an. Unsere ehrliche Faustregel aus der Praxis:
- Zusatzheizung für einzelne Räume: Bad (schnell warm morgens), Homeoffice, Gästezimmer, Wintergarten, Werkstatt.
- Selten genutzte Räume, wo eine träge Zentralheizung Geldverschwendung wäre.
- Sehr gut gedämmte Kleinflächen: Neubau, Passivhaus-Standard, gedämmter Dachausbau oder Zubau.
- Wo kein Gas-/Wasseranschluss möglich oder erwünscht ist und der Umbau zu teuer wäre.
- Als alleinige Hauptheizung im ungedämmten Altbau – die Stromrechnung wird brutal.
- Große, ständig beheizte Wohnflächen – hier gewinnt fast immer die Wärmepumpe über die Jahre.
- Wenn eine Förderung für den Umstieg auf erneuerbare Wärme in Frage kommt – Infrarot wird als reine Stromheizung meist nicht gefördert, Wärmepumpen dagegen schon.
Infrarotheizung vs. Wärmepumpe vs. Klimaanlage zum Heizen
Alle drei laufen mit Strom – aber sie spielen in unterschiedlichen Ligen. Die richtige Wahl hängt davon ab, ob Sie einen einzelnen Raum oder das ganze Haus versorgen wollen:
| Kriterium | Infrarotheizung | Wärmepumpe | Klimaanlage (Heizmodus) |
|---|---|---|---|
| Anschaffung | Niedrig | Hoch | Mittel |
| Laufende Kosten | Hoch (Strom 1:1) | Niedrig (Faktor 3–4) | Niedrig (Faktor 3–4) |
| Wartung | Keine | Jährlich empfohlen | Jährlich empfohlen |
| Reaktionszeit | Sofort (Strahlung) | Träge | Schnell |
| Kühlt auch? | Nein | Teilweise | Ja |
| Förderfähig | Meist nein | Ja (Bund + Stadt) | Nein |
| Ideal für | Einzelraum, Zusatz | Ganzes Haus | Kühlen + Zuheizen |
Ein oft übersehener Punkt: Wer im Sommer ohnehin über eine Klimaanlage nachdenkt, bekommt eine moderne Split-Klimaanlage als Luft-Luft-Wärmepumpe – die im Winter denselben Raum effizient heizt und im Sommer kühlt. Für ein Homeoffice oder Schlafzimmer ist das häufig die klügere Investition als eine reine Infrarotplatte, wenn der Kühlbedarf ohnehin da ist.
Der Elektriker-Part: Anschluss, Absicherung, Steuerung
Eine einzelne Infrarotplatte für den Steckdosenbetrieb hängt man selbst auf. Sobald es aber um mehrere Paneele, eine Festinstallation oder eine Infrarotheizung als Hauptheizung geht, wird die Elektrik zum entscheidenden Faktor – und genau hier kommen wir ins Spiel:
- Lastberechnung: Mehrere Paneele ziehen schnell mehrere Kilowatt. Wir prüfen, ob Ihr Sicherungskasten und die Zuleitung das hergeben.
- Eigene Stromkreise & FI-Schutz: Festinstallierte Heizungen gehören normgerecht abgesichert – im Bad zwingend mit passendem Feuchtraumschutz.
- Thermostat & Steuerung: Jeder Raum braucht ein eigenes Thermostat. Erst die richtige Regelung macht eine Elektroheizung sparsam.
- Smart-Home-Anbindung: Zeit- und Präsenzsteuerung per Smart Home senkt den Verbrauch spürbar – Räume werden nur geheizt, wenn sie genutzt werden.
Infrarotheizung mit Photovoltaik kombinieren
Der einzige Weg, die hohen laufenden Kosten einer Infrarotheizung wirklich zu drücken, ist eigener Strom vom Dach. Wer eine Photovoltaik-Anlage hat, heizt in der Übergangszeit (Frühling, Herbst) tagsüber teils gratis. Das Problem: Geheizt wird vor allem im Winter und abends – also genau dann, wenn die PV-Anlage wenig oder nichts liefert.
Ein Stromspeicher verschiebt einen Teil des Tagesstroms in den Abend, deckt aber den winterlichen Heizbedarf nie vollständig. Realistisch ist die Kombi PV + Infrarot daher ein sinnvoller Baustein für Zusatzräume – aber kein Freifahrtschein, eine ganze Wohnung günstig elektrisch zu beheizen.
Häufige Fragen zur Infrarotheizung
Ist eine Infrarotheizung ein Stromfresser?
Als alleinige Hauptheizung in einem schlecht gedämmten Raum: ja. Weil sie Strom 1:1 in Wärme wandelt, kostet die Wärme rund drei- bis viermal so viel wie bei einer Wärmepumpe. Als gezielte Zusatzheizung für einen kleinen, selten genutzten Raum ist der Gesamtverbrauch dagegen niedrig – dann ist sie günstiger als eine träge Zentralheizung mitlaufen zu lassen.
Wie viel Watt pro m² braucht eine Infrarotheizung?
Als grober Richtwert gelten 60–100 Watt pro m² in gut gedämmten Räumen und bis zu 120–150 W/m² im Altbau. Die genaue Auslegung hängt von Dämmung, Raumhöhe, Fenstern und Nutzung ab – eine zu klein dimensionierte Heizung läuft dauerhaft auf Volllast und wird dadurch erst recht teuer.
Braucht eine Infrarotheizung einen eigenen Stromkreis?
Ein einzelnes Steckdosen-Paneel läuft über einen bestehenden Stromkreis. Sobald mehrere Paneele fest installiert werden oder die Heizung als Hauptheizung dient, sind eigene, korrekt abgesicherte Stromkreise nötig. Das prüfen und errichten wir bei der Besichtigung normgerecht.
Lohnt sich eine Infrarotheizung im Altbau?
Als Hauptheizung im ungedämmten Altbau selten – der hohe Wärmebedarf macht die Stromkosten unattraktiv. Als punktuelle Zusatzheizung für ein einzelnes Zimmer, das die alte Zentralheizung nur schwer warm bekommt, kann sie sich aber durchaus rechnen.
Wird eine Infrarotheizung in Wien gefördert?
Reine Stromdirektheizungen werden in der Regel nicht gefördert – die Förderungen zielen auf den Umstieg auf erneuerbare Wärme wie Wärmepumpen. Wenn Sie ohnehin sanieren, ist der Blick auf die aktuellen Förderungen und eine geförderte Wärmepumpe fast immer die wirtschaftlichere Entscheidung.
Kann ich eine Infrarotheizung selbst montieren?
Ein Steckdosen-Paneel aufhängen: ja. Alles, was fest verkabelt, mehrfach installiert oder als Hauptheizung ausgelegt wird, gehört in Elektriker-Hand – wegen Lastberechnung, Absicherung und Feuchtraumvorschriften im Bad. Fehler hier sind ein echtes Brandrisiko.
Infrarotheizung planen lassen – BS Elektrobau Wien
Ob eine Infrarotheizung bei Ihnen die richtige Wahl ist oder eine Wärmepumpe langfristig günstiger fährt, entscheidet sich an Ihren vier Wänden – Dämmung, Fläche, Nutzung, Bestandselektrik. Wir schauen uns das vor Ort an und sagen Ihnen ehrlich, was sich rechnet. Kein Verkauf um jeden Preis, sondern die Variante, die zu Ihrer Wohnung passt.
- Ehrliche Beratung: Infrarot, Wärmepumpe oder Klima-Zuheizung – wir empfehlen, was zu Ihrem Fall passt.
- Elektrik geprüft: Lastberechnung, Absicherung und Steuerung normgerecht aus einer Hand.
- Festpreisangebot nach Besichtigung: Transparent, ohne versteckte Kosten.
- Rechtzeitig vor dem Winter: Jetzt im Spätsommer planen – vor dem ersten Kälteeinbruch fertig sein.