Elektroinstallation

Sicherungskasten erneuern Wien: Wann es nötig ist und wie der Ablauf aussieht

Sicherungskasten erneuern in Wien: Anzeichen für veraltete Verteilerkästen, Ablauf der Erneuerung, FI-Schalter Nachrüstung und was ein Elektriker dabei prüft.

Alexander Schwingler
Alexander Schwingler

Staatlich geprüfter Elektrotechniker

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9 Min. Lesezeit
Zielgruppe
Eigentümer & Hausverwaltungen in Wien
Sicherungskasten erneuern Wien: Wann es nötig ist und wie der Ablauf aussieht

Sicherungskasten erneuern Wien: Wann es nötig ist und wie der Ablauf aussieht

Der Sicherungskasten ist das Herzstück jeder Elektroinstallation – und gleichzeitig das, worüber die wenigsten Eigentümer nachdenken, solange der Strom fließt. Dabei ist ein veralteter Verteilerkasten häufig die Ursache für Brandgefahr, ständig auslösende Sicherungen und unzureichenden Schutz vor Stromschlag. In Wien sind besonders Altbauwohnungen betroffen: Viele haben noch immer Sicherungskästen aus den 1960er- oder 1970er-Jahren in Betrieb. Dieser Artikel zeigt, woran Sie erkennen, ob Ihr Sicherungskasten erneuert werden muss, wie der Ablauf in Wien aussieht und was dabei alles geprüft wird.

Wichtiger Hintergrund
Ein großer Teil der Wiener Wohngebäude stammt aus der Gründerzeit oder wurde in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet. In vielen dieser Gebäude wurde die Elektroinstallation seitdem nie grundlegend erneuert. Schraubsicherungen, fehlende FI-Schutzschalter und klassische Nullung sind dort keine Seltenheit – sie entsprechen aber nicht mehr der aktuellen ÖVE/ÖNORM und bergen reale Risiken.

5 Zeichen, dass Ihr Sicherungskasten erneuert werden muss

Nicht jeder alte Verteilerkasten ist sofort gefährlich. Es gibt jedoch klare Anzeichen, bei denen Sie nicht mehr zuwarten sollten:

  • 1
    Schraubsicherungen (Diazed) statt Leitungsschutzschalter
    Wenn im Kasten noch Porzellan-Schraubsicherungen stecken, stammt die Anlage in der Regel aus einer Zeit, in der Kühlschrank und Deckenlampe der größte Verbraucher waren. Schraubsicherungen lassen sich mit dem falschen Kaliber bestücken – ein klassischer Fehler, der im Schadensfall den Schutz aushebelt. Moderne Leitungsschutzschalter (LS-Automaten) sind fehlersicherer, komfortabler und normkonform.
  • 2
    Kein FI-Schutzschalter vorhanden
    Der Fehlerstromschutzschalter (FI, RCD) trennt die Anlage in Millisekunden, wenn ein Fehlerstrom über den menschlichen Körper fließt. Fehlt er, gibt es keinen Personenschutz bei Isolationsfehlern. Bei Anlagen ohne FI ist das Risiko eines tödlichen Stromschlags real – besonders in Küche und Bad. Die Nachrüstung ist bei jeder wesentlichen Änderung Pflicht. Mehr dazu in unserem Artikel: FI-Schalter fliegt raus: Was tun?
  • 3
    Verfärbungen, Schmorspuren oder Brandgeruch
    Braune oder schwarze Verfärbungen an Sicherungen, Klemmen oder im Inneren des Kastens sind ein eindeutiges Warnsignal. Sie entstehen durch Überhitzung – meistens weil Klemmen locker sind, Leitungen überlastet werden oder alte Kontakte korrodiert sind. In solchen Fällen besteht akute Brandgefahr. Rufen Sie sofort einen Elektriker.
  • 4
    Zu wenige Stromkreise für den heutigen Bedarf
    Ältere Wohnungen haben oft 3 bis 5 Stromkreise für die gesamte Wohnung. Die Küche allein braucht heute 4 bis 5 eigene Kreise: Herd, Geschirrspüler, Kühlschrank, Mikrowelle, Kleingeräte. Sind zu wenige Kreise vorhanden, lösen Sicherungen bei normaler Belastung aus – ein Zeichen, dass der Verteiler der aktuellen Nutzung nicht mehr gewachsen ist.
  • 5
    Kein Platz für Erweiterungen (Wallbox, PV, Klimaanlage)
    Wer eine Wallbox für das Elektroauto, eine Klimaanlage oder eine Photovoltaikanlage nachrüsten möchte, braucht freie Plätze im Verteilerkasten und ausreichende Absicherung. Ein voller oder zu kleiner Kasten macht Erweiterungen unmöglich, ohne gleichzeitig den gesamten Verteiler zu erneuern.

Wiener Altbauten: Warum sie besonders betroffen sind

In Wien sind Altbauten mit veralteten Sicherungskästen besonders häufig – und das liegt nicht nur am Alter der Gebäude. Zwei technische Merkmale dieser Anlagen sind besonders problematisch:

Klassische Nullung

Bis in die 1970er-Jahre war in Österreich das sogenannte TN-C-System (klassische Nullung) üblich. Dabei werden Neutralleiter und Schutzleiter in einem gemeinsamen PEN-Leiter geführt. Bricht dieser Leiter, stehen sämtliche Metallgehäuse von Geräten – Herd, Waschmaschine, Heizkessel – unter Spannung. Ein FI-Schalter kann in einem solchen System nicht zuverlässig schützen. Die Umrüstung auf ein getrenntes TN-S-System ist Voraussetzung für eine normkonforme Anlage – und für einen wirksamen FI-Schutz. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag zur Elektroinstallation im Altbau Wien.

Aluminium-Leitungen

In manchen Gebäuden aus den 1960er- und 1970er-Jahren wurden anstelle von Kupfer Aluminiumleitungen verlegt. Aluminium dehnt sich bei Erwärmung stärker aus als Kupfer, was mit der Zeit zu losen Klemmen und gefährlicher Überhitzung führt. Werden Aluminium-Leitungen gefunden, ist eine sorgfältige Überprüfung – und meist eine Erneuerung – unumgänglich.

Sicherungskasten nie selbst öffnen
Die Zuleitung vom Zähler zum Verteilerkasten steht dauerhaft unter Spannung – auch wenn alle Sicherungen abgeschaltet sind. Sie kann nur vom Netzbetreiber (Wiener Netze) abgeschaltet werden. Öffnen Sie den Kasten nie selbst, um den Zustand zu prüfen. Lassen Sie das immer von einem konzessionierten Elektriker durchführen.

Alt vs. Neu: Was sich bei der Erneuerung ändert

Vergleich: Alter Verteilerkasten vs. moderner Sicherungskasten
Merkmal Alter Verteiler Moderner Verteilerkasten
Absicherung Schraubsicherungen (Diazed) Leitungsschutzschalter (LS-Automaten)
Personenschutz Kein FI-Schalter FI-Schutzschalter (30 mA), ggf. mehrere Gruppen
Überspannungsschutz Nicht vorhanden Überspannungsableiter (Typ 2) integriert
Anzahl Stromkreise 3 – 6 Kreise gesamt 8 – 16+ Kreise, klar beschriftet
Erweiterbarkeit Kein Reserveplatz Reserveplätze für Wallbox, PV, Klimaanlage
Normkonformität Nicht mehr normkonform ÖVE/ÖNORM E 8001 aktuell erfüllt
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Ablauf: So läuft die Erneuerung des Sicherungskastens ab

Eine Verteilerkasten-Erneuerung in Wien folgt einem festen Ablauf – von der ersten Besichtigung bis zur behördlichen Fertigmeldung. Bei einem reinen Tausch des Verteilerkastens (ohne Neuverkabelung) ist das Projekt in der Regel an einem Tag abgeschlossen.

  • 1
    Bestandsaufnahme und Zustandsbewertung
    Beim Ersttermin prüft der Elektriker den vorhandenen Verteilerkasten, die Zuleitung vom Zähler und – soweit zugänglich – die Leitungen zu den Steckdosen. Er dokumentiert den Ist-Zustand, stellt fest ob klassische Nullung oder Aluminium-Leitungen vorhanden sind und beurteilt, ob ein reiner Kastentausch ausreicht oder eine Teilsanierung der Leitungen sinnvoll ist.
  • 2
    Planung und Festpreisangebot
    Auf Basis der Bestandsaufnahme wird der neue Verteilerkasten geplant: Anzahl der Stromkreise, FI-Gruppen, Überspannungsschutz, Reserveplätze. Sie erhalten ein verbindliches Festpreisangebot – ohne Euro-Beträge zu nennen, verständlich aufgeschlüsselt nach Leistungsumfang.
  • 3
    Installation des neuen Verteilerkastens
    Der alte Kasten wird demontiert, der neue Verteiler montiert und verdrahtet. Alle Stromkreise werden an die entsprechenden LS-Schalter und FI-Gruppen angeschlossen, sauber beschriftet (Küche Herd, Bad, Wohnzimmer Licht etc.) und geprüft. Der kurze Stromausfall für die Umschaltung wird mit Ihnen im Voraus koordiniert.
  • 4
    Messungen und Funktionsprüfung
    Nach der Installation werden alle Stromkreise messtechnisch geprüft: Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, FI-Auslösezeit. Die Ergebnisse werden protokolliert und sind Grundlage für den Elektrobefund. Nur eine messtechnisch einwandfreie Anlage erhält den positiven E-Befund.
  • 5
    Fertigmeldung bei Wiener Netze und Elektrobefund
    Bei wesentlichen Änderungen am Verteilerkasten – insbesondere wenn der Zählerplatz betroffen ist oder die Anschlussleistung geändert wird – übermittelt der Elektriker eine Fertigmeldung an Wiener Netze. Zusätzlich wird ein positiver Elektrobefund ausgestellt, der die Normkonformität der Anlage dokumentiert. Mehr zum Thema Zähleranmeldung: Stromzähler Anmeldung Wien und Zähleranmeldung – Spezialgebiet.
Tipp: Gleichzeitig für die Zukunft planen
Wenn der Verteilerkasten ohnehin getauscht wird, lohnt es sich, gleich ausreichend Reserveplätze einzuplanen. Eine Wallbox, eine Klimaanlage oder eine Photovoltaikanlage lassen sich später ohne weiteren Kasten-Umbau nachrüsten – wenn die Reserveplätze und die richtige Absicherung schon vorhanden sind.

FI-Schalter nachrüsten: Wann reicht das allein?

Manchmal ist der Verteilerkasten selbst noch in gutem Zustand – aber es fehlt der FI-Schutzschalter. In solchen Fällen kann eine gezielte Nachrüstung ausreichen, ohne den gesamten Kasten zu tauschen. Das ist möglich, wenn:

  • Ausreichend freie Plätze im Kasten vorhanden sind
  • Die bestehenden Leitungen ein TN-S-System haben (keine klassische Nullung)
  • Die LS-Schalter noch normkonform und in gutem Zustand sind

Ob eine FI-Nachrüstung ausreicht oder ein vollständiger Kastentausch sinnvoller ist, klärt sich bei der Bestandsaufnahme. Ausführlichere Informationen zur FI-Problematik finden Sie in unserem Beitrag: FI-Schalter fliegt raus – Was dahinter steckt und wie es gelöst wird.

Verbindung zur Gesamtsanierung der Elektroinstallation

Ein neuer Verteilerkasten allein löst nicht alle Probleme. Wenn die Leitungen in der Wohnung noch aus den 1960er-Jahren stammen, zu geringe Querschnitte haben oder mit klassischer Nullung verlegt wurden, ist eine Teilsanierung oder Komplettsanierung der Elektroinstallation der nachhaltigere Weg. Beides lässt sich oft kombinieren: Verteilerkasten-Tausch als erster Schritt, Leitungssanierung raumweise im Anschluss.

Alles zur Elektrosanierung in Wiener Altbauten: Elektroinstallation im Altbau Wien und Sanierung & Installation – Spezialgebiet.

Häufige Fragen zum Sicherungskasten erneuern in Wien

Muss ich bei einer Verteilerkasten-Erneuerung die Wohnung verlassen?

Nein. Die Arbeiten am Verteilerkasten dauern in der Regel einen Arbeitstag. Der einzige Moment, in dem der Strom kurz abgeschaltet wird, ist die eigentliche Umschaltung – dieser wird mit Ihnen vorab abgestimmt und dauert in der Regel nicht länger als ein bis zwei Stunden.

Brauche ich für den Kastentausch eine Bewilligung?

In Wien ist keine eigene Baugenehmigung erforderlich. Nach Abschluss der Arbeiten übermittelt Ihr Elektriker jedoch eine Fertigmeldung an Wiener Netze, sofern der Zählerplatz oder die Anschlussleistung betroffen ist. Ein positiver Elektrobefund dokumentiert die Normkonformität. Beides ist Pflicht und wird von uns vollständig erledigt.

Was kostet die Erneuerung des Sicherungskastens?

Die Kosten hängen vom Umfang ab: Größe des neuen Kastens, Anzahl der Stromkreise, ob FI-Gruppen aufgeteilt werden, ob Überspannungsschutz integriert wird und ob gleichzeitig Leitungsarbeiten anfallen. Wir erstellen nach einer kostenlosen Besichtigung ein verbindliches Festpreisangebot nach Besichtigung – ohne versteckte Kosten.

Wann muss der Elektrobefund erneuert werden?

Nach jeder wesentlichen Änderung an der Elektroinstallation – also auch nach einem Sicherungskasten-Tausch – ist ein neuer Elektrobefund (E-Attest) auszustellen. Er ist außerdem Pflicht bei Vermietung und Verkauf und wird von Versicherungen und Banken regelmäßig verlangt. Wir stellen den Befund nach Abschluss der Arbeiten aus. Mehr dazu: Elektrobefund Wien: Kosten, Pflichten & alles was Sie wissen müssen.

Sicherungskasten erneuern in Wien – BS Elektrobau

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  • Erfahrung mit Altbauten: Klassische Nullung, Aluminium-Leitungen, enge Zählernischen – wir kennen die Besonderheiten Wiener Bestandsgebäude.
  • Fertigmeldung und E-Befund inklusive: Wir erledigen die komplette Abwicklung mit Wiener Netze und stellen den positiven Elektrobefund aus.
  • Zukunftssicher planen: Reserveplätze für Wallbox, Klimaanlage und PV werden von Anfang an eingeplant.
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