Lastmanagement für Wallboxen & Ladeinfrastruktur: statisch vs. dynamisch
Sobald mehr als eine Wallbox an einem Gebäude hängt – in der Tiefgarage eines Mehrparteienhauses, am Firmenparkplatz oder im Hotel – reicht der Hausanschluss selten aus, um alle Autos gleichzeitig mit voller Leistung zu laden. Die Lösung heißt Lastmanagement: Es verteilt die verfügbare Leistung intelligent auf alle Ladepunkte, ohne die Sicherung zu überlasten. Dieser Leitfaden erklärt statisches und dynamisches Lastmanagement, wann es Pflicht wird, was der Netzbetreiber verlangt – und worauf es bei der Umsetzung in Österreich ankommt.
Was ist Lastmanagement?
Jeder Gebäudeanschluss hat eine maximale Leistung (Ampere pro Phase). Lädt ein E-Auto mit 11 kW, zieht das rund 16 A je Phase. Hängen vier Fahrzeuge gleichzeitig an je 11 kW, sind das 44 kW – mehr, als viele Hausanschlüsse neben Aufzug, Beleuchtung und Wärmepumpe übrig haben. Lastmanagement ist die Steuerung, die genau das verhindert: Sie regelt die Ladeleistung der einzelnen Wallboxen dynamisch herunter, damit die Summe immer im sicheren Bereich bleibt.
Warum braucht es Lastmanagement?
- Schutz des Hausanschlusses: Ohne Steuerung löst bei gleichzeitigem Laden die Hauptsicherung aus – im schlimmsten Fall steht das ganze Gebäude ohne Strom da.
- Kein teurer Netzausbau: Eine Verstärkung des Hausanschlusses ist aufwendig und teuer. Lastmanagement nutzt die vorhandene Leistung optimal – meist die deutlich günstigere Lösung.
- Anforderung des Netzbetreibers: Ab einer bestimmten Gesamtleistung verlangt der Netzbetreiber (z. B. Wiener Netze) ohnehin eine Leistungsbegrenzung – ohne Lastmanagement gibt es keine Freigabe.
- Fairness & Zukunftssicherheit: Alle Nutzer laden zuverlässig, und weitere Ladepunkte lassen sich später ergänzen.
Statisch, dynamisch oder ohne Lastmanagement?
Es gibt drei Szenarien – und nur zwei davon sind sinnvoll:
| Eigenschaft | Ohne | Statisch | Dynamisch |
|---|---|---|---|
| Funktion | Jede Box lädt voll | Fixes Leistungsbudget wird aufgeteilt | Misst Gebäudeverbrauch in Echtzeit, nutzt freie Reserve |
| Hausanschluss-Schutz | Nein – Überlastgefahr | Ja | Ja |
| Ladegeschwindigkeit | Voll, bis die Sicherung fliegt | Konstant begrenzt | Maximal möglich – passt sich laufend an |
| Messung nötig | – | Nein | Ja (Zähler am Hausanschluss) |
| Ideal für | Einzelne Wallbox mit Reserve | Wenige Boxen, einfacher Aufbau | MFH, Tiefgarage, Firma, viele Ladepunkte |
Statisches Lastmanagement verteilt eine fest definierte Leistung auf die Wallboxen – einfach und günstig, aber es verschenkt Reserve, wenn das Gebäude gerade wenig verbraucht. Dynamisches Lastmanagement misst den Gesamtverbrauch am Hausanschluss laufend mit und gibt den Ladepunkten genau die Leistung frei, die aktuell übrig ist – nachts also fast die volle Anschlussleistung. Für jede Anlage mit mehreren Ladepunkten ist dynamisch klar die bessere Wahl.
Wo Lastmanagement nötig ist
- Mehrparteienhaus & Tiefgarage: Seit dem „Recht auf Laden" (WEG-Novelle) kann jeder Eigentümer eine Wallbox verlangen. Ohne Lastmanagement kollabiert der Anschluss, sobald mehrere Stellplätze elektrifiziert werden.
- Firmenparkplatz & Flotte: Mehrere Dienstwagen oder Mitarbeiterladeplätze brauchen koordiniertes Laden plus Abrechnung pro Nutzer.
- Hotel, Handel, Gewerbe: Gästeladen ohne Überlastung des Betriebs – idealerweise mit Abrechnung.
- Eigenheim mit mehreren Verbrauchern: Wallbox plus Wärmepumpe und Haushalt am selben Anschluss – auch hier lohnt eine Steuerung.
Lastmanagement & die Anmeldung beim Netzbetreiber
In Österreich sind Ladeeinrichtungen anmelde- bzw. genehmigungspflichtig: Bis 11 kW genügt die Meldung beim Netzbetreiber, ab mehr als 11 kW (z. B. 22 kW) ist eine Genehmigung erforderlich. Bei mehreren Ladepunkten verlangt der Netzbetreiber – etwa Wiener Netze – in der Regel eine nachgewiesene Leistungsbegrenzung. Genau diese liefert das Lastmanagement. Wir übernehmen die Anmeldung, dimensionieren die Anlage normgerecht und stellen sicher, dass die geforderte Begrenzung sauber dokumentiert ist.
Integration: PV-Überschuss, Abrechnung & Schnittstellen
Ein gutes Lastmanagement kann mehr als nur begrenzen:
- PV-Überschussladen: Die Anlage lädt bevorzugt mit selbst erzeugtem Solarstrom, statt teuer aus dem Netz – Sektorenkopplung statt Netzbezug.
- Nutzerabrechnung: Über ein Backend wird der Verbrauch pro Ladepunkt erfasst und – etwa im Mehrparteienhaus oder Betrieb – korrekt zugeordnet.
- Offene Standards (OCPP): Setzen Sie auf Wallboxen mit dem OCPP-Standard, bleibt das System herstellerübergreifend erweiterbar und nicht an einen Anbieter gebunden.
- Smart-Home-Anbindung: Auf Wunsch binden wir die Ladeinfrastruktur in die Gebäudesteuerung ein.
Der Ablauf: So setzen wir Lastmanagement um
-
1
Anschluss-Check & BedarfWir prüfen die verfügbare Anschlussleistung, die Zahl der geplanten Ladepunkte und die Lastsituation im Gebäude.
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2
Konzept & FixpreisangebotStatisch oder dynamisch, Hardware, Backend und Erweiterbarkeit – Sie erhalten ein verbindliches Festpreisangebot.
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3
NetzanmeldungWir melden die Anlage beim Netzbetreiber an und weisen die geforderte Leistungsbegrenzung nach.
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4
Installation & InbetriebnahmeVerkabelung, Messung am Hausanschluss, Wallboxen, Konfiguration des Lastmanagements und Funktionstest.
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5
Erweiterung & ServiceWeitere Ladepunkte ergänzen wir später ohne Neuplanung – das System wächst mit.
Häufige Fragen zum Lastmanagement
Was ist der Unterschied zwischen statischem und dynamischem Lastmanagement?
Statisch teilt ein fest eingestelltes Leistungsbudget auf die Wallboxen auf. Dynamisch misst den tatsächlichen Verbrauch des Gebäudes in Echtzeit und gibt den Ladepunkten die jeweils freie Reserve – dadurch wird deutlich schneller geladen, ohne den Anschluss zu überlasten.
Brauche ich Lastmanagement schon bei zwei Wallboxen?
Meistens ja. Zwei Boxen mit je 11 kW ziehen zusammen 22 kW – das übersteigt die freie Reserve vieler Hausanschlüsse. Ob es bei Ihnen nötig ist, zeigt der Anschluss-Check.
Kann man Lastmanagement nachrüsten?
Ja. Bestehende Wallboxen lassen sich – sofern sie steuerbar sind und einen offenen Standard wie OCPP unterstützen – in ein Lastmanagement einbinden. Wir prüfen die Kompatibilität vor Ort.
Ist Lastmanagement vom Netzbetreiber vorgeschrieben?
Ab mehreren Ladepunkten bzw. höherer Gesamtleistung verlangt der Netzbetreiber eine nachgewiesene Leistungsbegrenzung. In der Praxis bedeutet das: ohne Lastmanagement keine Freigabe.
Was kostet Lastmanagement?
Das hängt von Anzahl der Ladepunkte, statisch oder dynamisch, Backend und Bestand ab – eine Pauschale gibt es nicht. Sie erhalten nach dem Anschluss-Check ein Fixpreisangebot. In fast allen Fällen ist es günstiger als eine Verstärkung des Hausanschlusses.
Lastmanagement & Ladeinfrastruktur – BS Elektrobau Wien
Ob zwei Stellplätze oder eine ganze Tiefgarage: Wir planen und installieren Lastmanagement und Ladeinfrastruktur so, dass alle zuverlässig laden und der Hausanschluss sicher bleibt – in Wien und Niederösterreich, mit Netzanmeldung und Fixpreis nach Besichtigung.
- Dynamisch statt teurem Netzausbau: maximale Ladeleistung aus dem vorhandenen Anschluss.
- Netzanmeldung inklusive: normgerecht dimensioniert und beim Netzbetreiber nachgewiesen.
- Offene Standards (OCPP): herstellerübergreifend erweiterbar, mit PV-Überschussladen & Abrechnung.
- Für MFH, Hausverwaltung & Betriebe: skalierbar von zwei bis viele Ladepunkte.